Seit dem Sommersemester 2026 übernimmt Prof. Kai Linke neben seiner Professur die Studiengangsleitung im Bereich Produktgestaltung an der BGBA Hanau. Im Gespräch erzählt er, wie er den Studiengang weiterentwickeln möchte und welche Rolle Gestaltung aus seiner Sicht heute spielen sollte.
Sie sind jetzt Studiengangsleiter für Produktgestaltung. Was bedeutet die neue Aufgabe für Sie?
Zunächst will ich betonen, dass ich mich sehr über diese Veränderung und die damit verbundenen Aufgaben freue. Die Studiengangsleitung bedeutet für mich vor allem die Verantwortung für die Qualität der Lehre zu übernehmen und damit die Ausbildung der Studierenden und auch die Weiterentwicklung der Akademie sicherzustellen.
Produktgestaltung ist heute ein hochkomplexes Feld. Es geht längst nicht mehr nur um schöne oder funktionale Dinge, sondern um Systeme, Prozesse, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Wirkung. Mein Ziel ist es, den Studiengang so weiterzuentwickeln, dass unsere Absolventinnen und Absolventen bestmöglich darauf vorbereitet sind.
Was ist für Sie das besondere an der Lehre in der Produktgestaltung an der BGBA Hanau?
Bereits als Professor habe ich Studierende an der BGBA in unterschiedlichen Semestern in der Produktgestaltung unterrichtet und immer wieder erlebt, welchen großen Schatz wir mit unserem dualen Modell haben. Unsere Studierenden bewegen sich zwischen Werkstatt, Betrieb und Hochschule. Sie lernen, mit den Händen zu denken und zugleich analytisch zu reflektieren und diese Verbindung aus Handwerk, Praxis und konzeptioneller Tiefe eröffnet viele Möglichkeiten und Richtungen.
Welche Pläne haben Sie für die bestehende Lehre und die zukünftige Ausrichtung?
Ich möchte unsere Lehre weiter schärfen und unser gestalterisches Repertoire erweitern. Natürlich gehört dazu die Integration von Zukunftsthemen wie KI in der Gestaltung, nachhaltige Materialien, Kreislaufwirtschaft, soziale Gestaltung oder auch partizipative Prozesse. Produktdesign bedeutet heute auch, Verantwortung für Ressourcen zu übernehmen und gesellschaftliche Entwicklungen mitzugestalten. Unsere Projekte im öffentlichen Raum im Kontext der World Design Capital zeigen bereits, wie Gestaltung als strategisches Werkzeug hier wirken kann.
Welche Chance sehen Sie für die Stadt und Region?
Hanau verfügt über eine handwerkliche und gestalterische Tradition. Die BGBA kann hier eine Brücke schlagen zwischen Tradition und Innovation. Durch Kooperationen mit lokalen Partnern, Betrieben und Institutionen erarbeiten die Studierende reale Projekte mit Wirkung. Gleichzeitig bleiben wir offen für Impulse und Ausweitung unserer Netzwerke. Ich sehe die BGBA als einen Ort, an dem Gestaltung nicht nur gelehrt, sondern praktisch gelernt und gelebt wird.
Was ist ihr persönlicher Wunsch für den Studiengang Produktgestaltung und die gesamte BGBA Hanau?
Ich wünsche mir, dass wir das solide Fundament mit der gestalterischen und handwerklichen Basis ausbauen und mutig mit neuen Technologien und gesellschaftlichen Fragestellungen experimentieren, denn das ist der Boden für wirkliche Innovationen. Für unsere Studierenden wünsche ich mir, dass sie vor allem selbst die Erfahrungen machen, dass sie durch kreative Arbeitsweise, genaues Hinschauen und die Lösung von alltäglichen Problemen, Neues erschaffen können, was das Leben vieler Menschen positiv beeinflussen kann.